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Neue Formen der Bildung
Seminar mit Karl-Heinz Tritschler & Joachim Eckl
5. – 11. November 2010
Marsam Hotel / Luxor
Wer sich auf eine Reise begibt, möchte auch Antworten finden auf verdrängte und damit unkultivierte Fragen. Reisen können somit wieder einen wichtigen Stellenwert im Leben der Menschen einnehmen, wenn man begreift, was deren ursprüngliche Zielsetzung war. Schon in alten Zeiten haben sich Menschen auf die Suche begeben mit dem Bedürfnis, Orte zu finden, von denen man sich Heilung und Erkenntnis versprach. Im Zeitalter der Globalisierung ist das nicht anders. Wie der Ägyptologe Erich Hornung in seinem Buch "Das esoterische Ägypten" feststellt, hat die Reise in die Vergangenheit mit der Suche nach Antworten aus der Zukunft zu tun.
Immer mehr Menschen entdecken heute den Impuls, sich selbstbestimmt auf den Weg zu begeben. Dabei spielt der Zielort mit der Aussicht, zentralen Lebensfragen auf die Spur zu kommen, eine immer wichtiger werdende Rolle. Gerade in der Begegnung mit der ägyptischen Vergangenheit können menschenkundliche Zusammenhänge ins Bewusstsein gehoben werden, durch die das Ich in der Begegnung mit dem Fremden zu sich selbst erwacht. Die Begegnung mit dem Unbewussten erweist sich so gesehen als eine Notwendigkeit, den eigenen Standpunkt innerhalb der heute vielschichtig gewordenen kulturellen Identität zu finden.
Seminar zur kulturellen Identität
Ausgehend vom Seminar "Der erweiterte Kunstbegriff und seine Ursprünge", (im Rahmen der Studientage "Soziale Plastik", Achberg 2008) hat sich im Marsam Hotel/Gurna eine zweimal im Jahr stattfindende Seminararbeit entwickelt, die sich um ein Verstehen des integralen Bewusstseins bemüht. Dabei spielen die Ideen und Zusammenhänge, wie sie von Joseph Beuys in seiner Arbeit am "Evolutionsdiagramm" entwickelt wurden, wie auch die Überlieferung aus der altägyptischen Kultur eine richtungsweisende Rolle.
Kommen wir auf den Genius des Ortes zu sprechen - den Gott Ptah - von dem es heißt, dass er, ähnlich wie im Prolog des Johannesevangeliums, die Welt aus dem Wort erschaffen hat, dann findet diese Anschauung im folgenden Satz von Joseph Beuys seine zeitgemäße Entsprechung: "Im Anfang war das Wort. Das Wort ist Gestalt. Das ist das Evolutionsprinzip schlechthin. Dieses Evolutionsprinzip kann nur der Mensch hervorbrechen, denn die alte Evolution ist heute abgeschlossen. Das ist der Grund der Krise…"
Hier wird deutlich, wie die Auseinandersetzung mit der Vergangenheit den Sinn für die Zukunft erschließt. Als die Seminararbeit im Frühjahr 2008 in Gurna begann, war keineswegs abzusehen, welche Dynamik sich in der Folgezeit entwickeln würde. Es zeigt sich immer mehr, daß die gedankliche Zusammenarbeit in ihrer künstlerischen Durchdringung zu Einsichten führt, wie sie Joseph Beuys in seinem Vortrag "Aktive Neutralität" im Zusammenhang stehend mit der Idee vom "Plasma der Erde" angedeutet hat. Aus einem solchen Verständnis kann die Studienarbeit mit Recht den Anspruch auf eine Mitarbeit in der FIU (Free International University) geltend machen, einem Arbeitszusammenhang auf dem Felde des Freien Geisteslebens, der sich die Erforschung des erweiterten Kunstbegriffs zur Aufgabe macht. Dabei spielt die Krise, der Tod im persönlichen Erleben eine wichtige Rolle.
Voraussetzungen der Seminarteilnehmer
Der Seminarteilnehmer/in sollte einzig die Offenheit mitbringen, sich vorurteilsfrei auf den Prozess der Gedankenbildung einzulassen. Inhaltliche Voraussetzungen werden nicht erwartet. Das Rahmenprogramm, welches den Besuch von Gräbern, Tempeln, Museen und künstlerische Aktivitäten beinhaltet, wird je nach Bedürfnis im demokratischen Miteinander vor Ort entwickelt. Um eine intensive Zusammenarbeit zu ermöglichen, ist die Teilnehmerzahl begrenzt.
Der Seminarort
Das Marsam-Hotel verfügt über ca. 55 Betten, von einfachen Lehmkuppelzimmern mit Außentoiletten bis zu komfortablen Zimmern mit Dusche. Der Ort in unmittelbarer Nähe des Meremptah-Tempel wurde berühmt durch den bekannten Grabräuber Scheik Ali Abu Rasoul, der die "Chachette" von Theben entdeckte, wo schon in altägyptischer Zeit Mumien der Pharaonen vor den Grabräuberaktivitäten versteckt wurden.
Heute ist das Marsam-Hotel ein Ort, an dem sich neben verschiedenen archäologischen Grabungsteams vor allem Maler, Schriftsteller, Photographen u. a. Künstler aufhalten. Manche von ihnen arbeiten bereits über Jahrzehnte an Projekten, die sich mit der altägyptischen und gegenwärtigen Kultur beschäftigen. Inspirierend ist der Ort durch die intime Atmosphäre, die Ruhe und dem bezaubernden Garten. Im Hotel gibt es keine Musikanlage und auch keinen Alkohol. Neben einem reichhaltigen Frühstück, das im Übernachtungspreis inbegriffen ist, haben die Seminarteilnehmer die Wahl, zusätzlich Mittag und/oder Abendessen im Marsam-Hotel einzunehmen.
Anmeldung und Infos:
Seminargebühren: 350.- €
Hotelunterkunft für 7 Tage mit Frühstück: ca. 70.- €
Der Flug nach Luxor ist individuell zu organisieren.
Für unvorhergesehene Ereignisse wird keine materielle Haftung übernommen.
Anmeldung
über Joachim Eckl: eckl@servus.at bzw. +43 (0) 664 161 8028 oder
Karl Heinz Tritschler: Thomas-Müntzer-Str. 23, 99423 Weimar, Tel/Fax +49 (0) 364 349 4146
Text: Karl-Heinz Tritschler, Fotos: Michael von der Lohe