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Block of ice as false door

Project by Joachim Eckl


April 2014
In the excavation site of the funerary temple of Amenophis III

The Site

Der Totentempel von Amenophis III liegt am Wüstenrand in West-Theben (gegenüber von Luxor, 3 km westlich vom Nil). Es handelt sich dabei um die größte jemals in Ägypten errichtete Tempelanlage. Sie wurde im 14. Jh.v.Chr. erbaut und war von einer ca. 700 x 550m langen Umfassungsmauer umgeben. Seit dem Altertum sind die beiden Memnon-Kollose mit einer Höhe von fast 20m (Herodot berichtet ca. 500 v.Chr. darüber) imposante Zeugen der Dimension der schon damals versunkenen Großanlage.

Heute ist das Tempel-Gebiet ein archäologisches Grabungsfeld. In den vergangenen Jahrzehnten wurden zahlreiche Maueranlagen, Gebäude- und Säulenfragmente und auch Skulpturen aus dem Erdreich freigelegt und teilweise wieder Vorort aufgestellt. Innerhalb des Tempelbereichs, mit seinen Nebengebäuden, Gärten und Seen, lag nördlich des Haupt-Tempels ein kleines Sanktuarium mit eigenem Zugang durch die Umfassungsmauer. Es war der singulären Gottheit Ptah-Sokar-Osiris gewidmet. Sie steht für Schöpfung, Tod und Auferstehung. 2012 wurde dort eine ca. 1,6m hohe Skulptur zweier Sonnenpaviane aus Granit gefunden. Im alten Ägypten gelten die Sonnenpaviane als „Begrüßer der Sonne“ und „Wächter der Pforten“ auf der Reise durch das Jenseits.

In der gegenwärtigen politischen Situation ist in Ägypten die Verteilung der Aufgaben und Verantwortlichkeiten nicht klar geregelt. Im April 2014 ist dadurch die Möglichkeit entstanden direkt an der Fundstelle der Sonnenpaviane gemeinsam mit Einheimischen ein Projekt zu verwirklichen.

Die Aktion

Vor der tiefsten Stelle des Ausgrabungsareals wurde ein Eisblock (6x2x1m) errichtet. Schon beim Bau der Eis-Körpers setzt der Schmelzvorgang ein. Das Einwirken der Sonnenkräfte löst die feste Form und bewirkt Bewegung. In einem Wandlungsprozess der an Filmsequenzen erinnert, wachsen aus der abstrakten Form organische Gebilde. Die drei Tage andauernde Transformation der Eisblöcke vom festen in den flüssigen Zustand hält die Skulptur in Bewegung und bringt permanent neue Formen zum Vorschein. Felslandschaften, menschliche Gestalten, Mauern aus Mündern, Knochen, Menschenköpfe, Schiffe, Tiere, und ganze Götterprozessionen tauchen auf. Ein Rhythmus von Entstehen und Vergehen, Erkennen, Finden und Verlieren wird lebendig. Erinnern und Vergessen wird an Bildern erfahrbar. Was im Mythos Schöpfung, Tod und Auferstehung war, kommt als plastisches Urbild wieder zum Vorschein. Die Wahrnehmung und das Denken.

Heute geht es darum das erstarrte Denken zu überwinden und in Bewegung zu bringen. (Dafür ist das moderne Ägypten ein Beispiel) Lebendiges Denken wurzelt in der Wahrnehmung. - Am Anfang steht nur ein Eisblock, eine abstrakte Form - wie blockhaftes Denken bildet sie eine Mauer. Durch die Sonnenkräfte gerät sie in Bewegung. Beim Schmelzen entsteht ein Fluss aus Formen, der über die Wahrnehmung zur Kraft und dem lebendigen Bewusstsein mythologischer Bilder hinführt. Das mythologische Bild hält die Polarität der Gegensätze aufrecht. Zwischen den gegensätzlichen Polen - Gut und Böse, Hell und dunkel, warm und kalt - fließen lebendige Gedankenströme. Sie sind Grundlage für ein zeitgemäß-lebendiges, integratives Denken. Die Beschäftigung mit der Altägyptischen Mythologie und das Auftauen erstarrter Bewusstseins-Bilder erscheint für die Zukunft des Menschen notwendig und fruchtbar.